Maschinenbau “made in Germany” – was über Jahrzehnte Spitzenpositionen im globalen Markt garantierte, droht abgehängt zu werden.

Eine im Februar 2014 vorgestellte Studie der Impuls-Stiftung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mahnt, dass die Konkurrenz aus China dem deutschen Maschinenbau zunehmend gefährlich wird, nicht nur im unteren Segment der Billigmaschinen.Tatsächlich betrug Chinas Anteil am weltweiten Umsatz mit Maschinen bereits 30,1 Prozent. Deutschlands Anteil im Vergleich nur rund 11 Prozent. Bereits seit 2009 ist Asien die größte Fertigungsregion im Maschinen- und Anlagenbau. Die Hälfte der weltweit produzierten Maschinen wird mittlerweile dort hergestellt. Auch in anderen Branchen findet diese Schwerpunktverschiebung statt. Im Jahr 2013 löste die Volksrepublik China erstmals die USA als weltweit wichtigste Handelsnation ab.Wir sind Zeugen eines Epochenwechsels, der mit starken Verwerfungen verbunden ist. Es ist und bleibt nicht der einzige. Wir werden durch technologischen und gesellschaftlichen Wandel häufiger und auch schneller als bisher mit dem Ende einer beruflichen Ära nach der anderen konfrontiert.Was tun Menschen, die an das Ende einer Ära gelangen? Sie versuchen, am Althergebrachten festzuhalten. Sie vertrauen auf ihr hoffnungsvolles Gefühl, dass die nächste Ära noch fern und das Gewohnte noch gut und richtig ist. Das gilt nicht nur für Individuen, sondern auch für alle Organisationen, für Unternehmen, ja sogar für ganze Staaten. Das spürt auch der VDMA-Präsident Reinhold Festge und warnt davor, den „akuten Handlungsbedarf“ zu ignorieren: “Die deutschen Hersteller dürfen sich nicht an die Spitze der Technologiepyramide abdrängen lassen. Dort ist der Markt zu klein. Wenn wir uns nur auf Hightech-Produkte konzentrieren, laufen wir an die Wand.”Menschen tendieren dazu, Veränderungen nicht hinreichend wahrzunehmen und daher zu unterschätzen – unabhängig davon, wie offen sie sich geben für Zukunft und Innovation. Woran liegt das? Unsere Gehirne lieben das Bekannte. Wir sind so gebaut, dass wir uns mit dem Gewohnten anfreunden und das von außen kommende Neue als Bedrohung empfinden. Verliebt in den Status Quo nehmen unsere Gehirne an und hoffen, dass sich die Verhältnisse nicht entscheidend verändern werden.Am liebsten wollen wir die vergehende Ära in die Zukunft retten. Solange es im wirtschaftlichen Kontext keine Konkurrenten gibt, ist das harmlos. Wenn man aber um knappe Ressourcen konkurriert, etwa um Kunden und Aufträge, fällt man durch zu langes Festhalten zurück. So machen wir den notwendigen Wechsel zum Neuen noch schlimmer und härter, als er ohnehin schon ist.Das Hier und Jetzt ist uns wichtiger als jedwede Zukunft. Erst in großer Bedrängnis wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass wir die Veränderungen früher erkannt und früher gehandelt hätten. Sobald sich jedoch die Lage beruhigt und wir uns an das Neue gewöhnt haben, fallen wir wieder zurück in die Gegenwartspräferenz. Dabei wäre das Gegenteil richtig. Dabei haben wir gerade dann die große Chance, entscheidende Fragen zu stellen und zu beantworten: Was kann ich jetzt tun, damit die nächste Ära so wird, wie ich sie haben will? Was muss ich lernen? Was muss ich vergessen? Was kann ich mitnehmen? Was muss ich zurücklassen?Manchmal muss man die Krise im Leben und im Unternehmen selbst herbeiführen, um eine Ära unwiederbringlich zu beenden und eine neue zu beginnen.

Direkt nach einer überstandenen Krise kommt die beste Zeit, um die nächste Krise, den nächsten Wandel selbst zu gestalten und dabei der souveräne Manager seiner eigenen Zukunft zu sein. Es geht ganz praktisch darum, Produkte und Leistungen, Marketing und Vertrieb, Prozesse und Systeme und auch die Menschen und ihre gemeinsame Kultur zukunftsfähig zu machen. Vor allem aber geht es für jeden darum, zunächst sich selbst zukunftskompetent zu machen und zukunftsintelligent zu handeln.

Ob im Maschinenbau oder in irgendeiner anderen Branche, wir werden mehr Märkte, Berufe und Aufgaben verschwinden sehen, als wir uns heute vorstellen können. Wir werden aber auch so viele neue Märkte und Jobs entstehen sehen, wie es uns heute noch unmöglich erscheint. Der Wandel von einer Ära zur anderen kann uns entweder wirtschaftlich den Hals brechen oder unsere Zukunft mit Erfolg und Glück erfüllen.

Natürlich kann es passieren, dass man mutig in die neue Ära aufbricht, um später enttäuscht festzustellen, dass man viel zu früh war, dass die Kunden oder die Technik doch noch nicht so weit war. Ob diese Gefahr besteht, können wir nur dann beurteilen, wenn wir unseren Blick nicht auf das Tagesgeschäft senken, sondern heraus in die Welt und in die Zukunft richten.

Wir können und müssen im Alltag mehr von der Zukunft sehen, mehr von den Technologien und Trends, die unser Leben verändern. Erst dann können wir die in ihnen liegenden Bedrohungen und Chancen erkennen, können verstehen, wie die neue Ära anders als die gegenwärtige sein wird. Erst dann haben wir eine Chance, den Wandel zu überblicken, uns zu orientieren und die Kräfte der Veränderung zu unserem Vorteil zu nutzen.

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